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FTP-Test richtig machen — die häufigsten Fehler

15. März 2026 Aktualisiert: 4. Juni 2026 12 Min Lesezeit Radfahren · Power

Deine FTP ist die wichtigste Zahl in deinem Radtraining — sie definiert deine Zonen, bestimmt dein TSS, kalibriert deine Power-Curve. Eine falsche FTP führt zu falschem Training. Trotzdem haben die meisten Hobby-Athleten eine FTP die 10-15% zu hoch liegt.

Warum? Weil sie den falschen Test gemacht haben, ihn falsch ausgeführt haben, oder den Wert seit Monaten nicht mehr angepasst haben. Schauen wir uns an, wie es besser geht.

Was FTP eigentlich ist

FTP (Functional Threshold Power) ist die höchste Power die du theoretisch für 60 Minuten aufrechterhalten könntest. Andrew Coggan hat sie 2003 als praktische Approximation der Laktatschwelle definiert — gut messbar, gut nachvollziehbar.

Der Schlüsselbegriff: theoretisch. Niemand macht freiwillig einen 60-min-All-Out-Test. Es gibt deshalb mehrere Approximations-Methoden:

Power-Duration-Kurve eines Hobby-Athleten mit FTP 270 Watt. Die Kurve fällt von etwa 900 Watt bei 5 Sekunden über 430 Watt bei einer Minute auf 285 Watt bei 20 Minuten und 270 Watt bei einer Stunde. Im Hintergrund die Energie-System-Bereiche von Sprint links bis Endurance rechts.
Power-Duration-Kurve eines Hobby-Athleten mit FTP 270 W. Die Coggan-20-min-Methode nutzt 95% des 20-min-Wertes als FTP — exakt der Punkt wo die Kurve in den nahezu horizontalen Schwellen-Bereich übergeht.

Methode 1: 20-Min-Test (Coggan-Klassik)

Der wohl bekannteste Test. Nach Warm-Up: 20 Minuten so hart wie möglich, gleichmäßig durchziehen. Average Power × 0.95 = FTP.

FTP = avgPower(20min) × 0.95

Den Wert musst du nicht im Kopf ausrechnen — im FTP-Rechner gibst du deine 20-min-Power und dein Gewicht ein und bekommst FTP, W/kg und deine Coggan-Einstufung direkt ausgegeben.

Vorteile:

Probleme:

◣ Häufigster Fehler

Den 5-min All-Out vor dem Test weglassen. Coggan hat ihn aus einem Grund eingebaut: er sorgt für etwas Vor-Ermüdung damit der 20-min-Wert nicht systematisch zu hoch ausfällt. Ohne diesen wirst du in 20 min eher 95-97% deiner echten 20-min-Power produzieren — der × 0.95 Faktor wird dann zur Überschätzung.

Methode 2: Ramp-Test (Zwift / TrainerRoad-Style)

Stufenweise steigende Leistung, alle 60 Sekunden um meist 20W erhöht, bis man nicht mehr mithalten kann. FTP = letzte komplette Minute × 0.75.

FTP = peakPower(letzte 60s) × 0.75

Vorteile:

Probleme:

Methode 3: Critical Power (CP) aus mehreren Best-Efforts

Mathematischer als die beiden anderen. Du brauchst 3-5 maximale Efforts verschiedener Dauern (z.B. 3, 5, 8, 12, 20 Minuten) — können über mehrere Wochen verteilt sein. Daraus berechnest du per linearer Regression:

Power(t) = CP + W'/t

CP ist die asymptotische "Critical Power" — sehr ähnlich zu FTP, aber nicht austauschbar: CP liegt meist sogar leicht über FTP und ist besser kalibriert. W' (sprich "W prime") ist deine anaerobe Arbeits-Reserve in Joule.

Vorteile:

Probleme:

Welche Methode für wen?

ProfilEmpfehlung
Anfänger, Indoor-SetupRamp-Test (Zwift)
Disziplinierter Pacer, geübt20-Min-Test
Regelmäßiges hartes Training, PowermeterCP aus Trainingsdaten
Race-Vorbereitung20-Min auf der Straße
Berg-/Zeitfahrt-SpezialistCP-Modell — berücksichtigt deine Distanz-Charakteristik

Die häufigsten Fehler

1. FTP zu lange nicht angepasst

FTP ändert sich im Jahresverlauf um ±10-20%. Wer im Frühling 250W als FTP eingetragen hat und im Spätsommer immer noch damit rechnet, bekommt komplett verfälschte TSS-Werte und Zonen.

Empfehlung: mindestens alle 8-12 Wochen neu testen.

2. FTP-Wert im Profil falsch eingetragen

Klingt banal: ein User testete neulich auf seinem Gerät 268W. In der App stand aber noch die alte FTP von 249W — weil die nie aktualisiert wurde. Resultat: alle TSS-Werte ca. 15% zu hoch.

3. Test ohne Kalibrierung

Wenn dein Powermeter (oder dein Smart-Trainer) nicht kalibriert ist, sind alle Werte Müll. Vor jedem Test: Zero Offset durchführen. Bei Pedalen mit Drehmoment-Kalibrierung auch das.

4. Test unter ungewohnten Bedingungen

Du hast die letzten 4 Wochen indoor trainiert und machst plötzlich einen FTP-Test outdoor? Die Werte werden komplett anders sein. Test immer in der Umgebung wo du auch hauptsächlich trainierst — vergleichbare Werte über Zeit sind wichtiger als der absolute Wert.

5. Mental nicht bereit

Ein FTP-Test ist 95% mental. Du musst bereit sein, dich für 20 Minuten in eine schmerzhafte Zone zu fahren. Tag aussuchen wo du ausgeruht und motiviert bist, nicht müde nach langem Arbeitstag.

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Aus deinen Strava-Trainings-Daten extrahiert Yama die maximalen Efforts über 3-20 Minuten und schätzt deine Critical Power per linearer Regression — ohne dass du einen dedizierten Test machen musst. Plus: Power-Curve mit Saison-Vergleich für Trend-Analyse.

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Fazit

Es gibt keine perfekte FTP-Test-Methode. Jede hat Schwächen. Wichtiger als die Methode ist Konsistenz: nutze die gleiche Methode regelmäßig, vergleiche die Werte über Zeit, und akzeptiere dass FTP eine Schätzung ist — keine harte physiologische Konstante.

Und wenn du das Gefühl hast, deine FTP sei zu hoch: sie ist wahrscheinlich zu hoch. Mach den Test nochmal, diesmal mit ehrlichem Vollgas — und nimm das Ergebnis an, auch wenn es niedriger ausfällt als dir lieb ist.

Häufige Fragen
Wie oft sollte ich einen FTP-Test machen?
Alle 6 bis 8 Wochen ist ein guter Rhythmus für die meisten Hobby-Athleten. Häufiger ist nicht hilfreich, weil sich physiologische Anpassungen Zeit brauchen. In intensiven Aufbauphasen kann ein Re-Test alle 4 Wochen sinnvoll sein, in Wettkampfphasen reichen 8–12 Wochen. Wichtiger als die Häufigkeit ist die Konsistenz der Test-Bedingungen — gleiche Tageszeit, gleiches Equipment, vergleichbare Erholung vorher.
20-Minuten-Test oder Ramp-Test — was ist genauer?
Der 20-Minuten-Test ist genauer, aber mental und physisch deutlich anspruchsvoller. Er reflektiert die echte Schwellenleistung, weil 20 Minuten lange genug sind um stoffwechselseitig nahe LT2 zu kommen. Der Ramp-Test (Standard in Zwift/TrainerRoad) ist schneller und reproduzierbarer, neigt aber dazu, die FTP zu überschätzen — besonders bei Athleten mit guter anaerober Kapazität. Faustregel: für genaue Trainingszonen den 20-Minuten-Test, für schnelle Re-Tests den Ramp-Test.
Brauche ich einen Powermeter für einen FTP-Test?
Ja, für eine genaue FTP brauchst du einen Powermeter oder Smart-Trainer mit Power-Messung. Auf der Rolle (z.B. Wahoo Kickr, Tacx Neo) ist das integriert. Alternativen wie HF-basierte FTP-Schätzungen oder reine Geschwindigkeits-Tests sind sehr ungenau und nur als grobe Orientierung brauchbar. Wenn du keinen Powermeter hast: trainiere besser nach HF-Zonen und mache regelmäßige Stufen-Tests im Labor.
Was tun wenn das Testergebnis nicht zum Gefühl passt?
Wenn der Test deutlich höher liegt als gefühlt: vermutlich war der Effort doch besser als gedacht, oder du hast einen Tageshoch erwischt. Trotzdem: bevor du die FTP dauerhaft setzt, überprüfe ob du diese Power 60 Minuten am Stück halten könntest. Wenn der Test deutlich niedriger liegt: typische Ursachen sind ungewöhnliche Ermüdung, falsche Aufwärmung, mentale Blockade oder schlechter Tag. Wiederhole den Test 5–7 Tage später unter guten Bedingungen, bevor du die FTP nach unten korrigierst.
Wann ist eine FTP-Schätzung im Profil falsch?
Häufige Anzeichen: deine Trainingsplan-Workouts fühlen sich systematisch zu leicht oder zu schwer an, deine TSS-Werte erscheinen unrealistisch hoch oder niedrig, oder deine CTL steigt unverhältnismäßig schnell. Ein konkreter Test: ein 30-Minuten-Tempo bei 95% FTP sollte sich machbar aber anstrengend anfühlen — wenn du locker durchkommst, ist die FTP zu niedrig; wenn du nach 15 Minuten einbrichst, ist sie zu hoch. Alle 6–8 Wochen einen Re-Test machen vermeidet das Driften.