Race Readiness

Race Shape erklärt — wie weißt du ob du bereit bist?

28. März 2026 Aktualisiert: 4. Juni 2026 10 Min Lesezeit Marathon · HM · 10k · 5k

Drei Wochen vor deinem Marathon. Du hast die letzten Monate trainiert. Aber bist du wirklich bereit? Ist dein Volumen ausreichend? Hast du genug lange Läufe gemacht? Wo sind die Lücken?

Die meisten Trainings-Apps geben dir auf diese Frage keine Antwort. Sie zeigen dir CTL/ATL/TSB als abstrakte Zahlen, oder einen "Fitness-Score" der mit der Wettkampf-Distanz nichts zu tun hat. Eine Garmin-Form-Anzeige sagt dir "produktiv" — was auch immer das heißen soll.

Race Shape ist Yamas Versuch, diese Frage konkret zu beantworten. In diesem Artikel erkläre ich dir die Idee dahinter, die Mathematik und wie du den Wert für dich selbst interpretierst.

Die Grundidee: zwei Säulen der Vorbereitung

Sportwissenschaftlich gibt es zwei Haupt-Komponenten für Ausdauer-Wettkampfvorbereitung — das ist in der Literatur seit Daniels und Lydiard unstrittig:

  1. Volumen — wie viele Kilometer pro Woche legst du im Schnitt zurück? Aerobe Basis baut sich über Monate auf, nicht Wochen.
  2. Spezifische Long Runs — hast du genügend lange Läufe absolviert, die der Renndistanz nahekommen? Das trainiert Glykogen-Management, Beinmuskulatur, mentale Härte.

Race Shape kombiniert beides zu einem Prozentwert. 100% heißt: ausreichend vorbereitet für die Distanz. Über 100%: solide bis sehr gut. Unter 100%: Vorbereitung im Aufbau, Risiko für DNF oder deutlich schlechtere Zeit.

Wie es genau berechnet wird

Jede Komponente bekommt einen Prozentwert relativ zu den Anforderungen für deine Zieldistanz. Dann werden beide gewichtet zusammengeführt:

Race Shape = (Volumen-% × Gewichtvol) + (Long-Run-% × Gewichtlr)

Die Gewichtungen sind distanz-spezifisch. Bei kurzen Distanzen zählt Volumen mehr, bei langen Distanzen werden Long Runs wichtiger:

DistanzVolumenLong Runs
5 km90%10%
10 km80%20%
Halbmarathon70%30%
Marathon67%33%

Die Logik: ein 5k läuft du primär aus deiner aerobe Kapazität — dafür ist allgemeines Wochenvolumen entscheidend, ein 30km-Long-Run hilft dir nicht wirklich. Bei einem Marathon hingegen sind die letzten 10km die kritischste Phase: ohne ausreichend spezifische lange Läufe brichst du ein.

Wie viel Volumen ist "100%"?

Das hängt von deiner Zielzeit ab. Wer einen Marathon in 2:30h laufen will, braucht ein anderes Volumen als jemand der 4:30h ankommen will. Yama orientiert sich an Daniels/Lydiard:

Marathon-ZielzeitEmpfohlenes WochenvolumenEmpfohlener Long Run
< 2:3095 km/Wo35 km
< 3:0080 km/Wo32 km
< 3:3065 km/Wo28 km
< 4:0050 km/Wo25 km
< 4:3040 km/Wo22 km
> 4:3030 km/Wo20 km

Bei einem Halbmarathon mit Zielzeit unter 1:35h wären das beispielsweise 45 km/Woche und 18 km Long Run. Yama leitet diese Werte für jede Distanz aus der konkreten Zielzeit ab — oder, falls keine Zielzeit gegeben, aus deiner prognostizierten Bestzeit. Eine solche Prognose aus einer aktuellen Wettkampfzeit kannst du mit dem Pace-Rechner selbst erstellen.

Was ist ein "qualifizierender" Long Run?

Nicht jeder Lauf zählt. Yama definiert qualifizierende Long Runs als Läufe die mindestens 85% der Soll-Long-Run-Distanz erreichen. Beispiel: Soll = 25 km Long Run. Schwellwert = 21 km. Jeder Lauf über 21 km in den letzten 10 Wochen zählt.

Die Long-Run-Komponente bewertet dann wie viele qualifizierende Läufe du in den letzten 10 Wochen hattest:

Plus ein Bonus für den längsten Lauf: wenn dein längster Lauf nahe oder über der Soll-Distanz war, gibt's bis zu +20%.

16 Wochen Marathon-Vorbereitung als Säulendiagramm. Grüne Säulen zeigen das wöchentliche Lauf-Volumen, das von 45 km in Woche 1 auf 82 km in Woche 10 steigt, mit eingestreuten Recovery-Wochen alle 4 Wochen. Orange Punkte markieren den jeweiligen Long Run der Woche, der von 18 km auf bis zu 35 km in Woche 13 wächst. Letzte drei Wochen Taper mit reduziertem Volumen. Woche 16 endet mit dem Marathon.
16 Wochen Marathon-Vorbereitung im 3:1-Rhythmus. Wochenvolumen und Long Runs steigen parallel. Drei Recovery-Wochen verhindern Überlastung. Drei Wochen Tapering vor dem Wettkampf.

Ein konkretes Beispiel

◣ Marco, 38 Jahre, Marathon-Ziel: 3:15h

Vergangene 6 Monate: Schnitt 50 km/Woche — Soll für 3:15h: ~65 km/Woche
Letzte 10 Wochen Long Runs: 4× ≥ 24 km (Soll-Threshold: 24 km), längster Lauf: 28 km
3 Wochen vor dem Rennen.

Rechnung:

Race Shape = 77 × 0.67 + 80 × 0.33 = 51.6 + 26.4 = 78%

78% — Vorbereitung im soliden Mittelfeld. Marathon ist machbar, aber die Zielzeit von 3:15h ist optimistisch. Realistische Zielzeit eher 3:25-3:30h. Konkrete Empfehlung: Volumen war über 6 Monate etwas zu niedrig, das lässt sich 3 Wochen vor dem Rennen nicht mehr aufholen.

Was Race Shape NICHT misst

Race Shape ist ein Volumen- und Specificity-Indikator. Es sagt nichts aus über:

Race Shape ist also kein Allheilmittel. Es ist ein fundierter Volumens-Check — nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wenn deine Race Shape unter 80% liegt drei Wochen vor dem Rennen, weißt du dass das Risiko hoch ist.

Wie du Race Shape verbesserst

Wichtig: Race Shape ist ein Langzeit-Indikator. 6 Monate Volumen lässt sich nicht in 2 Wochen drehen. Aber:

Wenn du noch > 12 Wochen Zeit hast

Wenn du noch 4-12 Wochen Zeit hast

Wenn du noch < 4 Wochen Zeit hast

Yama berechnet das automatisch

Verbinde Strava mit Yama, wähle deine Zieldistanz im Dropdown — Yama zieht dein Trainingsvolumen und deine Long Runs automatisch aus den letzten 6 Monaten und zeigt dir Race Shape mit Trend-Kurve, Empfehlungen und Histogramm aller qualifizierenden Läufe.

Yama ausprobieren

Fazit

Race Shape ist eine konkrete Antwort auf eine konkrete Frage: Bin ich bereit? Es ersetzt nicht den Bauchgefühl-Check kurz vor dem Start. Aber es gibt dir 6-12 Wochen vorher ein klares Bild davon, wo du stehst — und vor allem warum.

Die wichtigste Erkenntnis: Volumen über 6 Monate ist für Langstreckenwettkämpfe der mit Abstand stärkste Prädiktor. Wer 3 Wochen vor dem Marathon mit 30 km/Woche startet, kann nicht erwarten in 3:00h zu finishen — egal wie viel Talent oder Wille im Spiel ist. Sehnen, Muskeln und der aerobe Stoffwechsel brauchen Monate, um sich anzupassen, und diese Zeit lässt sich nicht abkürzen.

Der Wert tut manchmal weh, weil er ehrlicher ist als das Bauchgefühl drei Wochen vor dem Start. Aber genau deshalb ist er nützlich: Lieber sechs Wochen vorher wissen, dass das Volumen fehlt, als es am Kilometer 32 zu merken.

Häufige Fragen
Wie ist Race Shape von CTL/Form zu unterscheiden?
Race Shape und CTL/TSB messen unterschiedliche Dinge. CTL misst die generelle Trainingsbelastung der letzten 6 Wochen, ist also ein Maß für „Fitness". TSB sagt dir wie ausgeruht du bist. Race Shape dagegen ist distanzspezifisch — es prüft konkret, ob du für deine Zieldistanz die nötigen langen Einheiten und das richtige Trainingsvolumen aufgebaut hast. Ein Athlet kann hohen CTL haben und trotzdem schlechte Race Shape für einen Marathon, wenn er nie über 25 km gelaufen ist.
Was zählt als qualifizierender Long Run vor einem Marathon?
Für einen Marathon zählen Läufe von 28–35 km als qualifizierende Long Runs. Pace ist sekundär — wichtiger ist die Zeit auf den Füßen und die Distanz. Idealerweise hast du 3–5 Läufe ≥ 28 km in den 12 Wochen vor dem Wettkampf, davon mindestens einer im Bereich 32–35 km. Reine Geschwindigkeit ohne Distanzaufbau hilft beim Marathon kaum — die letzten 10 km entscheiden, und die schaffst du nur mit ausreichend langen Trainingsläufen.
Wann sollte ich die letzten 3 Wochen vor dem Wettkampf trainieren?
Klassisches 3-Wochen-Tapering: Woche 1 vor dem Wettkampf rund 60–70% des bisherigen Wochenumfangs bei normaler Intensität. Woche 2: 40–50% Umfang, kurze schnelle Reize beibehalten (z.B. 4×400m). Wettkampfwoche: 25–30% Umfang, nur sehr kurze Workouts, Beine bleiben „wach" durch 2–3× kurze Tempo-Strides. Wichtig: Tapering reduziert Umfang, nicht Intensität — sonst verlierst du Power.
Was tun wenn ich nur noch 6 Wochen bis zum Wettkampf habe?
In 6 Wochen lässt sich Race Shape nur begrenzt verbessern. Fokus auf: 2 lange Einheiten (≥80% der Zieldistanz beim Halbmarathon, 25–32 km beim Marathon), 1–2 spezifische Tempo-Einheiten in Wettkampfpace, kein Volumen-Sprung mehr (max. 5–7% Steigerung pro Woche). Das letzte Volumen-Maximum sollte 3 Wochen vor dem Wettkampf erreicht sein, dann 3 Wochen Tapering. Realistisch: Wettkampf-Pace eventuell etwas konservativer ansetzen.
Hilft Race Shape auch im Triathlon oder nur beim Laufen?
Race Shape ist auf alle Ausdauerdisziplinen anwendbar, das Prinzip ist gleich: distanz-spezifische Bereitschaft + ausreichendes Volumen. Beim Triathlon braucht es pro Disziplin eigene qualifizierende Einheiten — z.B. für Mitteldistanz mindestens 3–4 Long Rides ≥ 90 km, 3–4 lange Schwimmtrainings über 2 km, 3–4 Läufe ≥ 18 km. Plus Combo-Workouts (Rad → Lauf) sind kritisch für Triathlon-Race-Shape, weil sie die spezifische Belastung simulieren.